Kommentar zur Bremer Politik

Oberschulen funktionieren nicht, weil Gymnasiasten und Lernbehinderte nicht gleich schnell lernen. Die Bremer SPD denkt zu idealistisch, wobei ihre Ideen nicht schlecht sind, aber nicht umsetzbar. Es muss somit eine Bildungsreform entstehen, wonach zum Wohl des jeweiligen Schülers und nicht zum Wohl der Ideologie gehandelt wird. NICHT JEDER muss Abitur haben und studieren um ein glückliches Leben zu haben. Denn in vielen Berufen ist eine praktische Ausbildung und gegebenfalls Weiterbildung sinnvoller als eine theoretische, wie im Studium. Jedoch genau dies trichtert die SPD vielen ein, welche enttäuscht sind, wenn sie dies nicht erreichen. In diesem Punkt sind andere Parteien, wie die Linke und Bündnis 90/Die Grünen nicht besser. Ihr Ansatz ist richtig, dass jeder die gleichen Bildungschancen haben sollte.
Bremen muss zudem neue mittelständische Industrien anlocken und einen wirtschaftlichen Aufschwung, sowie eine Reduzierung der Arbeitslosigkeit insbesondere in Bremerhaven schaffen. Repräsentativ kann als Beispiel die Bremer Luft- und Raumfahrt genommen werden, welche eine moderne Wirtschaft um den bereits vorhandenen, hervorrangenden Forschungsstandort angesiedelt hat.

Literatur, Werkstatt Bremen im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt

Die Arbeitswelt, politische und soziale Fragen wurden zum Thema in der Literatur. In Bremen gab es Mitte der Siebziger Jahre bis Anfang der Achtziger Jahre eine politisch und gewerkschaftlich engagierte Literaturgruppe, die Werkstatt Bremen im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt. Sie brachte drei Bremen Bände „Geschichten aus der nicht ganz freien Hansestadt Bremen“ und „Zündstoff“ heraus. Ich besitze diese Bände noch und kann sie zur Verfügung stellen. Texte von mir und von einer Reihe von unbekannten und bekannten Bremer Autorinnen und Autoren sind darin veröffentlich.

Friedensbewegung

An die Jahre bis 1983 denke ich sehr gern zurück. Besonders in Erinnerung bleibt mir die Veranstaltung zum Antikriegstag am 1. September 1976 mit dem legendären Martin Niemöller, bei der ich zum Thema „Ein Jahr KSZE (Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa)“ sprach. Die Friedensbewegung, vor allem Anfang der 1980er Jahre, hat Wirkungskraft bis heute. So sind etliche Akteur*innen der damaligen Zeit noch heute aktiv beim Bremer Friedensforum, zum Beispiel bei den Ostermärschen. Auch heute gilt noch: „Abrüsten statt aufrüsten!“ www.bremerfriedensforum.de/www.facebook.com/bremerfriedensforum.

Das Kapitel kommt aber in der Ausstellung insgesamt zu kurz, ebenso wie die Proteste gegen Bremens Rüstungsindustrie (Rüstungsstandort Bremen) und gegen die US-Truppenstationierung in der Garlstedter Heide ab Mitte der 1970er Jahre, bei denen auch viele Bremer*innen beteiligt waren. Der Ausstellungskatalog beschreibt die Arbeit der Friedensbewegung auf den Seiten 24 bis 27.

Ausstellungslücke

Ihre insgesamt ordentliche Ausstellung zu den 68er und folgenden Jahren hat eine gravierende Lücke: Es fehlt eine Darstellung der „Kulturrevolution“ in der alle Teilnehmer der unterschiedlichsten Fraktionen oft Gemeinsamkeiten und Berührungspunkte (auch abgrenzende) hatten, dazu gehört Beat- und Popmusik, Happenings, Hippies, Kunstaktionen a la Fluxus, es fehlen die damals aktuellen Diskussionen um „K“ Gruppen, Verbot der KPD – Gründung der DKP, Notstandgesetze, Filmkultur a la Fassbinder u.ä., der Einfluß der Jugend und Politibewegungen besonders der USA und von GB, die „Geh doch nach drüben“-Sprüche, der Aufbruch der Gegenrevolution der Faschisten in der BRD z.B. Aktion W (Widerstand).

Rüstungsindustrie

Vielleicht übersehen, aber an welcher Stelle wird Bremen als Rüstungsstandort beschrieben und im Rahmen der Friedensbewegung problematisiert?

Arbeiter und Gewerkschaftsbewegung

Es ist schade, dass die Bewegung in den Betrieben nur als Sammlung von tragischen Niederlagen daherkommt – womit sich der Zeitgeist der Spät-68er gut identifizieren kann. Die Streiks 1969 – an denen die Hütte beteiligt war – finden in der Ausstellung keinen Platz. Obwohl ein nicht geringer Teil der auch hier zitierten Protagonisten aus Politik und Gesellschaft die Streiks als Orientierungsmarke für die eigene – oft krude – Politikentwicklung nahmen. 69 auf der Hütte wurde zum bundesweiten Bezugspunkt für sozialpolitische Debatten. Und auch – mit anderen Bewegungen zusammen, Teil von Reformprozessen in den Gewerkschaften.
Ebenso wenig finden die „Lehrlingsbewegungen“ Platz, die in den frühen 70ern in Bremer Betrieben stattfanden und Teil von gewerkschaftlichem Umbruch wurden.
Das ist schade, wo doch ein nicht geringer Teil der politischen „Eliten“ Bremens auch durch und in diesen Entwicklungen sozialisiert wurden. Fehlen da die Zugänge oder der Blick über den Zaun?

Homosexualität

Wieso wird in der gesamten Ausstellung mit keinem Wort, Bild oder Beitrag erwähnt, dass das auch die Jahre der beginnenden Homosexuellenbewegung waren? Das Wort „Homosexualität“ kommt nirgens vor. Wenn es diese Bewegung nicht gegeben hätte, gäbe es heute keine gleichgeschlechtlichen Ehen.
Auch diese Bewegung war extrem wichtig für die Demokratisierung der Gesellschaft. Auch das gehört zum „Neu Anfang“.