Protest + Neuanfang. Bremen nach 68!

Die Jahre zwischen dem gesellschaftlichen Aufbruch um 1968 und der Schließung der Großwerft AG Weser, die 1983 einen Höhepunkt der wirtschaftlichen Strukturkrise markierte, erscheinen aus heutiger Sicht als wesentliche Transformationsphase der jüngeren Stadtgeschichte – als „Scharnierzeit“ zwischen den Jahren des Nachkriegsbooms und der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation zur Jahrtausendwende.

Zum Teil widerstreitende Entwicklungen vollzogen sich in kürzester Zeit: Die Aufbruchsstimmung einer jungen Generation, die traditionelle Normen überwinden wollte, traf auf fundamentale wirtschaftliche Umbrüche.

Der Niedergang alter Großbetriebe, der das Ende der „klassischen Industriegesellschaft“ markierte, überschattete die Zukunftshoffnungen; ökologische Probleme begannen verstärkt in das öffentliche Bewusstsein zu treten; die Angst vor Krieg und atomarer Bedrohung war allgegenwärtig. Zugleich eröffneten sich aber auch Chancen. Zukunftsweisende Technologien und Wirtschaftszweige entstanden; neue Formen der politischen Teilhabe wurden geschaffen; neue politische Kräfte formierten sich. Der Wandel erfasste auch das soziale Gefüge der Stadt. Neben den Milieus des Bürgertums und der Arbeiterschaft entstanden neue Lebenswelten.

Zahlreiche Arbeitsmigranten ließen sich dauerhaft mit ihren Familien in Bremen nieder, und eine neue Generation von Bremerinnen und Bremern begann heranzuwachsen. Die Alltagskultur erhielt ebenfalls neue Impulse. Die Popkultur, die der jungen Generation vielfältige Identifikationsmöglichkeiten bot, eroberte zunehmend den öffentlichen Raum und wurde selbst Gegenstand kommerzieller Vemarktung.